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05. September 2016

Frankreich und Afrika am Beginn einer islamischen Invasion

Interview mit Bernard Lugan

Katehon: Ein während der Messe erstochener Priester, Massenmorde, Bombenanschläge – Frankreich ist schockiert von der politischen und religiösen Gewalt. Ist es möglich einen Vergleich mit dem „schwarzen Jahrzehnt“ in Algerien der 90er Jahre zu machen?

Bernard Lugan: Nein, denn während des „schwarzen Jahrzehnts“ versuchten die algerischen Islamisten die Macht zu übernehmen, um im Maghreb alles auf den Kopf zu stellen. Es handelte sich um einen Bürgerkrieg. Erstens, wir sind in keinem Krieg, und es ist nicht korrekt diesen Terminus hier zu verwenden. Krieg – das ist das, was in Syrien, oder im Irak passiert, während in Frankreich eigentlich eine terroristische Bedrohung in gemäßigtem Ausmaß vorliegt, denn das Land führt weiter ein normales Leben. Zweitens, die Islamisten haben nicht das Ziel die Macht zu übernehmen. Ein Risiko würde entstehen, wenn Zonen gebildet würden, außerhalb der Kontrolle der zentralen Macht, in denen sie, in einer nächsten Phase versuchen würden, ein Kalifat zu errichten.

Katehon: Das algerische Regime hat mit militärischen Mitteln die islamistische Rebellion im Land zerschlagen. Sollte Frankreich den gleichen Weg gehen?

Bernard Lugan: Wieder – Nein. Die polizeilichen Maßnahmen wären völlig ausreichend, um die meisten Bedrohungen abzuwehren. Das Problem ist aber, dass unsere Politiker das rechtliche Arsenal, das ihnen die Verfassung bietet, nicht nutzen. Sie fürchten den Islamismus und Terrorismus nicht, sondern die Reaktionen, die zukünftige Terrorangriffe begleiten werden, in Folge der wachsenden Besorgnis der Bevölkerung. Sie wissen, dass sie dafür verantwortlich sein werden: welcher Grund wäre sonst hinter der Verschärfung des „Grand Replacement“ (einer Theorie, wonach die europäische Population absichtlich mit der afrikanischen ausgetauscht wird), warum man den Kommunitarismus unterstützt, warum man sich mit dem Salafismus aus den Vorstädten arrangiert, warum man die Grenzen aufhebt, warum man die Gendarmarie bestraft, warum man das Land im moralischen und militärischen Sinn entwaffnet, warum man es so lange verweigert zu benennen - wer der Feind ist?

Katehon: Frankreich hat und organisiert immer noch Militärinterventionen in Afrika, im Rahmen des Kampfes gegen den Terror. Bringen diese Operationen einen Fortschritt im Kampf gegen den islamischen Terrorismus auf dem afrikanischen Kontinent?

Bernard Lugan: Ja und Nein. Ja, weil die französische Militärpräsenz die islamistischen Terroraktivitäten stört, Nein – weil die eigentliche Ursache damit nicht beseitigt wurde. Die Gesamtsituation in der Sahel-Region ist sehr kontrovers: unsere Truppen kämpfen effektiv gegen die Banden, aber gleichzeitig ist unsere Diplomatie zu freundlich gegenüber den Golf-Staaten, die den Salafismus finanzieren.

Katehon: Verschlechtert das Militärengagement Frankreichs die Situation mit den Terrorbedrohungen?

Bernard Lugan: Die Weigerung gegen den Terrorismus zu kämpfen, würde bedeuten, das Dulden zu akzeptieren. Ich denke, man müsste die Frage anders formulieren: hat Frankreich zu Gunsten des Terrorismus mit den vielen Interventionen gehandelt oder mit seiner Haltung gegenüber diesen? Und ich würde hierauf antworten, dass die absurde Intervention gegen Gaddafi und die dumme Politik gegen Assad in Wirklichkeit die Terrorherde provoziert haben.

Katehon: In Afrika wirkt Daesh (eine Terrororganisation, die in Russland verboten ist) und ihre Mittäter. Besteht die Möglichkeit, dass der Kontinent in einen „Zivilisationskrieg“ versinkt?

Bernard Lugan: In ganz Westafrika wird ein Krieg zwischen dem in den lokalen Traditionen verankerten Islam und einem Islam, der universalistischen und revolutionären Bedeutung, importiert aus den arabischen Staaten. Dieser zweite Islam, hat nach einigen Schätzungen, es geschafft, zwischen 20 und 40% der Muslime der Staaten Westafrikas zu gewinnen.

Demnach richtet sich der aktuelle afrikanische Jihad nur gegen die Muslime, da wir (vorerst) keine Opposition einer muslimischen und christlichen Front haben, außer einiger Peripherie (Nigeria, Kenia und Zentralafrikanische Republik). Das Phänomen, das wir sehen, stellt den Versuch von Anhängern eines Islams, der aus den arabischen Staaten exportiert wird, dar, die Kontrolle über der afrikanischen muslimischen Bevölkerung zu übernehmen. Für die letzteren soll der traditionelle westafrikanische Islam „gesäubert“ werden, weil er aus Sicht der Wahhabiten eine Häresie und Deviation darstellt. Die Säuberung ist nur möglich, durch eine Rückkehr zum Koran und die Abkehr von jeglicher menschlichen Tradition, die per Definition die göttliche Botschaft verunreinigt. Nach den Wahhabiten, ist es notwendig gegen alles zu kämpfen, was nicht im Koran geregelt ist.

Heute zeigen sich die wahhabitischen Normen offen: Geschlechterteilung, neue Begräbnisrituale, Nachtgebete (Tahadschud) und das weitverbreitetste Gebet unter den Muslimen – mit den verschränkten Armen – das alles war bis dato nicht vertreten im Süden der Sahara. Jetzt kann man sogar auf der Straße saudische Imame sehen, sowie Katarer und Pakistani, die der afrikanischen Bevölkerung erklären, dass ihre Rückständigkeit damit zusammenhängt, dass ihre Regierungen den Westen imitieren. Der Weg in den Fortschritt und die Befreiung werden durch deren Sturz ermöglicht, sowie durch die Abkehr von den Werten der Sünder und der Annahme des wahren Islam.

Bernard Lugan ist ein französischer Historiker und lehrt afrikanische Geschichte an der Jean Moulin Universität in Lyon, sowie am Französischen Institut für Verteidigungsstudien.

(Quelle: Katehon.com)

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