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30. August 2016

Warum Washington von einem permanenten Krieg abhängig ist?

Es ist nicht Russland, das in vier bis sechs verschiedene Kriege zu jeder Zeit involviert ist

Doug Bandow

Die zwei letzten Administrationen haben die parteiübergreifende Politik des ständigen Krieges verfolgt. Leider waren die Konsequenzen übel: jede Intervention hat eine Grundlage für noch mehr Konflikte gelegt.

Trotzdem behaupten die Architekten dieser Misserfolge, dass alles gut gegangen wäre, wenn Washington noch öfter und noch entschiedener gehandelt hätte. Aus ihrer Sicht, ist das Problem nicht, dass Amerika in den Krieg zieht, sondern, dass es nicht oft genug geht.

Dieser Zugang basiert auf dem Glauben, dass Washington in der Lage ist, jedes internationale Problem zu lösen. Wenn nur unbenannte kluge Menschen eine theoretisch brillante Strategie, unterstützt von unbekannten resoluten Bürgern, implementieren, dann würde der Terrorismus verdrängt werden, die ISIS besiegt werden, Russland wäre gefügig, der Irak wäre erfolgreich, Syrien wäre friedlich, Libyen wäre vereint und China wäre respektvoll.

Leider sagt uns die Erfahrung, dass es solche Menschen und Politiken nicht gibt. Anderenfalls, warum wären die neuerlichen Militäroperationen so schlecht ausgefallen? Wenn die richtigen Bedingungen für Erfolg in den letzten 15 Jahren nicht präsent waren, warum sollten wir erwarten, dass diese in den nächsten 15 Jahren erscheinen werden?

Das größte Problem ist der Glaube an die fehlerlose Intervention. Mehr Truppen hätten länger stationiert werden sollen, mehr Bomben hätten abgeworfen werden sollen, und mehr Flugverbotszonen hätten eingerichtet werden sollen. Die Befürworter bemühen sich kaum die praktischen Anforderungen und Konsequenzen dieser Politiken zu erklären.

Beispielsweise wird keine Intervention von seriösen Außenpolitikanalysten mehr durchgängig kritisiert, als die Irak Invasion. Dieser Krieg löste auf breiter Front einen religiösen Konflikt aus; verursachte den Tod von hunderttausenden Irakern; zerstörte die historischen christlichen Gemeinschaften; brachte die Al-Qaida in den Irak, die sich die ISIS verwandelte; und stärkte den Iran.

Die offizielle neo-konservative Haltung, dagegen, ist, dass der Krieg ein großer Erfolg war, erzielt vom Präsidenten George W. Bush. Der Sieg wurde durch Präsident Barack Obama verspielt, der die US-Truppen abgezogen hat.

Selbst Bush, mit dem höchsten Truppenkontingent, was ein maximales Druckmittel ermöglichte, war nicht in der Lage die Zustimmung der Iraker für ein Truppenstatus Abkommen zu gewinnen, was essentiell ist für eine US-Besatzung. Wenn Washington Bagdad gedrängt hätte, die fortgesetzte Besatzung zu akzeptieren, wären die US-Truppen zu Zielen von schiitischen Extremisten, als auch sunnitischen Terroristen geworden.

Der einzige Weg, wie Amerika den Aufstieg der ISIS hätte verhindern und das irakische religiöse Regime hätte absetzen können, wäre eine militärische Intervention, mit potentiell katastrophalen Konsequenzen. Es gab keine einheimische Unterstützung für einen solchen Kurs, nachdem die Bush Administration zuvor mit Versprechungen und unrealistischen Vorhersagen gescheitert war.

Die Intervention in Libyen hätte, wie gesagt, geklappt, wenn der Westen im Sinne eines Nation-Bilden interveniert hätte. Aber die Menschen auf der ganzen Welt wollen sich selbst regieren. Nachdem man die Gaddafi Regierung gestürzt hatte, hätten die siegreichen lybischen Kräfte die US-Besatzungstruppen nicht willkommen geheißen. Es gibt keinen Grund zu glauben, die Resultate solcher Bemühungen wären irgendwie besser gewesen als in Afghanistan oder Irak.

In Syrien, so behaupten die überzeugten Interventionisten, hätte Amerika gegen Bashar al-Assad handeln sollen. Er wäre gestürzt worden, ein syrischer Thomas Jefferson und George Washington hätten ihn ersetzt, und die ISIS wäre nie aufgekommen. Das ist eine große Story, übersieht aber den Anstieg der Religionsstreitereien, die nach dem amerikanischen Sturz des säkularen irakischen Diktators aufkamen. Der Sturz von Assad hätte lediglich die nächste Stufe im Kampf um die Kontrolle ausgelöst.

Noch gab es eine einheimische US-Unterstützung für eine größere Einbindung: der Widerstand gegen die Luftangriffe war überwiegend, als die Administration den Vorschlag im Kongress einbrachte. Der Glaube, dass eine halbherzige Beteiligung zu einem schnellen Sieg der sog. Moderaten Aufständischen führen würde, ignorierte die frühere konstant enttäuschende Erfahrung.

Im Afghanistan soll eine ständige US-Militärpräsenz der Regierung in Kabul erlauben, eine stabile, effiziente, ehrliche Demokratie in Zentralasien zu schaffen. Aber die Afghanen verlieren an Boden nach 15 Jahren, trotz der Unterstützung von zehntausenden alliierten Militärpersonals und der Ausgabe von hunderten von Milliarden von Dollars. Die Beibehaltung der Stationierung von nur wenigen tausend Kampftruppen, wird nur den Kollaps der Regierung verlangsamen, die bekannt ist für Korruption und Inkompetenz.

Eine andere Behauptung ist, dass wenn die Obama Administration die berüchtigte „Rote Linie“ des Präsidenten in Bezug auf chemische Waffen in Syrien durchgesetzt hätte, dann hätte Washington die Glaubwürdigkeit die Russen zu stoppen, die Krim zu erobern, und China in deren Territorialansprüchen im asiatischen Pazifik zu stoppen. Allerdings ist das Agieren wegen dummen Kriegsversprechen schlimmer als die Opferung eines Teils seiner Glaubwürdigkeit. Wie auch immer, drängt jeder US-Versuch, auf die Nuklearmächte Moskau und Peking Druck auszuüben, sie zu demonstrieren, dass sie von Washington nicht eingeschüchtert sind.

Die katastrophale Erfahrung Amerikas mit den leichtfertigen Interventionen kann nicht dadurch gerettet werden, dass man „Was wenn“ Spiele spielt. Wenn man das Gleiche mehr macht, garantiert das mehr von den gleichen Ergebnissen. Die USA sollten die Ausgabe von hunderten von Milliarden Dollars stoppen, die sie gar nicht haben, für den verlorenen Versuch den Globus zu managen.

(Quelle: The National Interest)

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